Nummernschalter

Zur Wahlinformationseingabe bei den direkt gesteuerten Vermittlungssystemen wurden fast vom Beginn der Selbstwähltechnik an die Nummernschalter (i.a. als Wählscheibe bezeichnet) eingesetzt. Sie waren an die dort verwendeten Schrittschaltwähler (Dreh-, Strowger-, Viereck-Wähler) optimal angepasst, Wahlimpuls/Wahlimpulspausen-Verhältnis 1:1,6, 1 Wahlimpuls- und 1 Wahlimpulspause-Gesamtdauer 90 bis 110 ms (eingesetzt in Deutschland).

Die hier im LKN-Museum ausgestellten Nummernschalter stammen aus verschiedenen Entwicklungsepochen und sind alle funktionsfähig.

Durch die Entwicklung der indirekt bzw. elektronisch/Rechner-gesteuerten Vermittlungssysteme wurde der Nummernschalter durch die Wähltastatur ersetzt. Die Wahlinformationsabgabe erfolgt dabei je nach den eingesetzten Vermittlungssystemen als Wahlimpulsserie, Tonwahl oder Datenpaket.

Bedienung des Nummernschalters

An der Fingerlochscheibe (Wählscheibe) sind entgegen dem Uhrzeigersinn i.a. die Ziffern 1,2 ... 9,0 angeordnet. Es gab (länderabhängig) auch andere Ziffernzuordnungen, z.B. 0,1 ... 8,9 oder 0,9 ... 2,1, mit und ohne Buchstaben.
Zur Wahlinformationsabgabe ist der Finger in die der gewünschten Ziffer (bzw. Buchstaben) zugeordneten Öffnung zu stecken und die Fingerlochscheibe im Uhrzeigersinn bis zum Erreichen des Fingeranschlages zu drehen, wodurch wie bei einem Uhrwerk eine Feder gespannt wird.
Nach Rückziehen des Fingers dreht sich die Fingerlochscheibe aufgrund der gespannten Feder entgegen dem Uhrzeigersinn wieder zurück und gibt dabei die der vorher eingestellten Ziffer zugeordneten Wahlimpulse ab. Durch den im Nummernschalter eingebauten Fliehkraftregler wird ein gleichmäßiger Rücklauf erreicht. Während des Fingerlochscheiben-Rücklaufes darf diese nicht beeinflusst werden, da sonst Wahlimpuls-Verfälschungen auftreten können.
Nach Erreichen ihrer Ruhestellung kann dann wie vorher beschrieben die nächste Ziffer gewählt werden.

Nummernschalter-Funktionen, Konstruktionen

Die Nummernschalter (Entwicklungsstand ab etwa 1915) haben, meist unabhängig von ihrer konstruktiven Ausführung, zwei Kontakte:

nsi ... Nummernschalter-Impuls-Kontakt:
Dieser Kontakt gibt die der gewählten Ziffer/Buchstaben zugeordneten Impulse im 62/38-ms-Takt (Nennwerte) ab.

nsa ... Nummernschalter-Arbeits-Kontakt:
Dieser Kontakt wird beim Verlassen der Fingerlochscheiben-Ruhestellung geschlossen und beim Erreichen der Ruhestellung wieder geöffnet. Damit wird erreicht, dass:

  • während der Wahlimpulsabgabe die Sprecheinrichtung des Fernsprechapparates kurzgeschlossen wird und so Knackgeräusche im Telefonhörer vermieden werden,
  • der Signalstrom erhöht wird und so die Wahlimpuls-Verzerrungen minimiert werden,
  • zu Beginn des Selbstwähl-Zeitalters die b-Ader geerdet wurde, wodurch ohne eine Zeitauswerte-Schaltung eine Unterscheidung zwischen Wahlimpulsabgabe und Einhängen ermöglicht wurde (alte ABX-Wählsysteme).

Für die Abgabe der Wahlinformation ist ein Zahnrad-Zwischengetriebe mit entsprechender Übersetzung vorhanden, das die nsi/nsa-Kontakte über Nockenscheiben steuert. Bei den anfangs eingesetzten Nummernschaltern wurde dieses Getriebe aus Metall gefertigt, das bei dem neueren Konstruktionen durch Kunststoff ersetzt wurde.

Für einen gleichförmigen Rücklauf der Fingerlochscheibe und damit der Wahlimpulsabgabe ist ein mechanischer Fliehkraftregler vorhanden, der konstruktionsabhängig entweder mit hoher oder niedriger Drehzahl und mit Anhalten oder Auslauf bei Erreichen der Fingerlochscheiben-Ruhestellung arbeitet.

Durch den Wegfall der b-Adern-Erdung während der Wahlimpulsabgabe (siehe oben, Einsparung des Fe-App-Erdanschlusses), musste nunmehr die Unterscheidung zwischen Wahlimpuls-Abgabe und Einhängen durch die Auswertung von Relais-Abfallzeiten getroffen werden. Dadurch war es aber möglich, dass bei schneller Wahl mehrerer gleicher Ziffern, z.B. 111, von der Vermittlungsanlage diese als Ziffer  "3" aufgenommen wurde.

Zur Vermeidung dieses Fehlers wurde die Ablaufzeit verlängert (in der Fachliteratur "Spatium" genannt), in dem die Fingerlochscheiben statt 10- nun 12-teilig ausgeführt wurden. Die beiden nun bei jedem Ablauf so entstehenden Wahlimpulse wurden konstruktionsbedingt durch einen zusätzlichen nsr-Kontakt (Nummernschalter-Ruhe-Kontakt), der zeitgleich mit dem nsa-Kontakt gesteuert wurde, überbrückt oder gleich mechanisch verhindert.

Es wurden auch Nummernschalter-Konstruktionen entwickelt, bei denen die zusätzliche Ablaufzeit (Spatium) an den Beginn des Fingerlochscheiben-Ablaufes gerückt wurde und daher bei der Abgabe des "ersten" Wahlimpulses der Drehzahlregler schon seine Nenndrehzahl hat
 (Vorteil: keine Zeitverlängerung des ersten Wahlimpulses).

Um den Bedienungskomfort für die Wahlabgabe zu erhöhen, wurden Nummernschalter entwickelt, bei denen an Stelle der Drehbewegung nur eine lineare Bewegung erforderlich ist. Dieses als "Zugnummernschalter" bezeichnete Gerät wurde in den Vermittlungsplätzen eingesetzt und ist im LKN-Museum in der Mitte der Schautafel ausgestellt. Die Funktionsweise (nsi-, nsa/nsr-Kontakte) ist dieselbe wie bei den üblichen Dreh-Nummernschaltern.

Neben den Dreh- und Zug-Nummernschaltern waren in Fernsprechapparaten auch noch Trommelwähler im Einsatz (nicht im Museum ausgestellt).

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